Faksimile "Schönebecker Volksstimme" vom 30.09.2009 "REPORT"   

Gefahren von Computerspielen

  Täglich vier Stunden in der virtuellen Welt

    

 

Von Imke Hendrich
 

Potsdam (dpa). Sie heißen "World of Warcraft", "Die Sims" oder "Grand Theft Auto" und entführen Jugendliche in virtuelle Welten. Viele von ihnen hocken täglich vor PC, Konsole oder Gameboy, um in andere Rollen zu schlüpfen, Strategien zu entwickeln oder Punkte-Levels zu erreichen. In Brandenburg spielt einer jüngsten Befragung zufolge jeder dritte Junge aus der 10. Klasse täglich Computerspiele, wie Suchtbeauftragte Ines Weigelt in einer dpa-Umfrage sagte. "Diese Jungen verbringen jeden Tag im Schnitt knapp vier Stunden damit."
Wie gefährlich ist das aber nun? Mit konkreten Äußerungen sind die Experten -mangels Studien - vorsichtig. "Untersuchungen lassen aber vermuten, dass zwischen drei und neun Prozent der Jugendlichen von Computerspielen abhängig oder zumindest gefährdet sein könnten", sagte der Referatsleiter für Suchtprävention in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Peter Lang. So gebe es eine aktuelle Studie aus Deutschland, wonach drei Prozent der untersuchten männlichen Neuntklässler Anzeichen von Computerspielabhängigkeit aufweisen, knapp fünf Prozent als "gefährdet" einzustufen sind.

"Bei Mädchen ist das Problem dagegen viel geringer", sagte Lang. Das deckt sich auch mit den Zahlen aus Brandenburg. Der Befragung unter 9400 Schülern der 10. Klassen aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten zufolge, sitzen sechs Prozent der Mädchen täglich an Computerspielen. Lang betonte allerdings: "Aus wissenschaftlicher Sicht bestehen noch viele Schattenbereiche in dieser Parallelwelt - denn es gibt noch zu wenig belastbare Zahlen und diagnostische Studien." So könne man auch nicht sagen, inwieweit Sucht nach Computerspielen bei Jugendlichen in eine Glücksspielsucht als Erwachsener mündet. "Sicher ist aber: Intensives Computerspielen ist ein Problem unter Jugendlichen, mit dem wir uns befassen müssen", betonte Lang. Suchtbeauftragte Weigelt erklärte ebenfalls: "Häufiges und langes Computerspielen alleine kann nicht als pathologisch aufgefasst werden." Auffällig werde das Verhalten erst, wenn etwa die schulischen Leistungen abfallen oder Jugendliche nervös oder gereizt werden, wenn sie längere Zeit nicht am Computer spielen.
Lang verwies darauf, dass diese Symptome vergleichbar mit anderen Suchtformen sind. Eltern sollten eine Auge darauf haben, ob sich Kinder praktisch nur noch mit Computerspielen befassen, die Zeiten am PC immer länger werden oder gar Entzugserscheinungen auftauchen. "Besonders bei bestimmten Charakter- und Rollenspielen im Internet besteht im Extremfall die Gefahr, dass die Jugendliche nur noch in ihrer Parallelwelt leben."
 

Offene Podiumsdiskussion zum gleichen Thema im Calbenser Gymnasium

von drwm©2009
                     (ergänzender Beitrag)

Am vergangenen Montag (2009-09-28)fanden sich 18 Schüler der 12. und 11. Klasse mit Ihren Informatiklehrern und zwei "Referenten" einer noch jungen IT-Firma aus Schönebeck in der Bibliothek des Gymnasiums zusammen, um über diese Problematik ins Gespräch zu kommen.

   In einer aufgeschlossenen Atmosphäre diskutierten die Schüler über Ihre Erfahrungen und den Umgang mit den unterschiedlichsten Computerspielen mit den die Diskussion führenden Jungunternehmern. Diese wiederum berichteten über weiter Hintergründe der Spieleindustrie, über historische Aspekte der Spieleentwicklung und natürlich ihre eigenen Erfahrungen in der Spielwelt.

Das Erkennen des Suchtpotenzials von Computerspielen und mögliche Reaktionen einschließlich der freiwilligen "Selbstkontrolle" wurden ebenfalls thematisiert.

  Für alle Beteiligten war diese Veranstaltung sehr informativ und aus weiteren Gesprächen ergibt sich der Wunsch nach Fortführung dieses Dialogs.

 

Bilder folgen...    
   

adapted by drwm©2009-09-30